Das U20-Nationalteam, die „Black Satellites“ (ja, die werden wirklich so genannt, die Großen heißen dann „Black Stars“), hat es geschafft. Sie sind Weltmeister und in Ghana gabs garantiert überall big party. In Deutschland ist das den Medien nicht einmal eine Randnotiz wert, nur beim Kicker gibts einen kurzen Spielbericht. 120 Minuten lang wurde in dem Spiel gegen Brasilien kein Tor geschossen bis die Ghanaer das Elfmeterschießen für sich entscheiden konnten. Ich selbst hab das Viertelfinale in Ghana noch gesehen, zurück in Deutschland hab ich aber vergessen die WM weiter zu verfolgen, so kommt die Nachricht etwas verspätet.
Ghana ist U20-Weltmeister
22. Oktober 2009Anekdoten
8. Oktober 2009Ich bin mit vier Ingenieuren auf der Baustelle, es ist offensichtlich, dass wir irgendwie wichtig sind. Die Bauarbeiter lassen sich jedoch nicht stoeren, sie liegen an allen moeglichen Plaetzen herum und schlafen. Spaeter im Buero reden wir ueber die Unterschiede zwischen Deutschland und Ghana, ich sage: „Bei uns ist es nicht erlaubt waehrend der Arbeitszeit zu schlafen“. Ein Kollege haelt dagegegen: „Aber wenn sie doch muede sind…“.
Wir sitzen im Buero, unterhalten uns, faulenzen, der normale Alltag. Doch ploetzlich herrscht Aufregung: „Schnell, schnell, gleich beginnt das Spiel zwischen Ghana und Suedafrika, u20-WM!“ Alle Kollegen versammeln vor einem mini-Fernseher, der Empfang ist schlecht, doch alle sind gluecklich, denn Ghana gewinnt mit 2:1.
Ich sitze morgens im Trotro, wie immer schaukelt es sehr und ich huepfe auf meinem Platz hin und her obwohl ich zwischen meinen Sitznachbarn eingequetscht bin. Ein Tampon rutscht aus meiner Tasche, ein Mann hebt ihn auf und reicht ihn mir. Mir ist es etwas peinlich, ich lasse den Tampon schnell verschwinden und wundere mich, dass er dabei gar nicht gelacht hat, die Ghanaer sind doch sonst immer am kichern. Erst spaeter wird mir bewusst, dass er vermutlich gar nicht wusste wofuer dieses Ding verwendet wird.
Ich muss fast alle meine Socken wegwerfen, der ghanaische Dreck und vor Allem die Rubbel-Handwaesche haben sie uebel zugerichtet. Ich seufze, denn auf den Maerkten hier gibt es zwar alle moeglich Sachen wie z.B. Mentos, Raubkopien, Tachenlampen, geschaelte Orangen, lebendige Huehner, tote Fische, einzelne Schuhe und sogar Bulldozer, aber Socken habe ich wirklich noch nie gesehen. Am naechsten Tag sitze ich im Trotro, warte darauf, dass es sich endlich fuellt und losfaehrt. Auf einmal kommt eine Marktfrau am Trotro vorbei, auf dem Kopf traegt sie kiloweise Stoffttaschentuecher und … Socken!
Ich goenne mir ein ueppiges Fruehstueck am Strassenstand. Doppelt egg&bread und dazu ein Tee, wird ja alles schoen durchgebraten bzw. gekocht, also keine Gefahr. Das egg&bread ist super und der Tee dampft auch schon – doch halt – ohne dass ich was sagen kann, will die Verkaeuferin besonders freundlich sein und kippt kaltes Wasser (das sie aus einem offenen Plastikeimer schoepft) in den Tee, damit er nicht so heiss ist. Leider schmeckt er dann nach Fisch, ich muss ihn stehen lassen.
Damit geht mein Ghana-Abenteuer und auch dieser Blog zu Ende. Ich danke euch allen fuer die vielen Kommentare und Telefonate, ohne die haette ich mich hier noch einsamer gefuehlt.
Cape Coast, Kakum, Butre & Busua Beach
5. Oktober 2009Sonntag, 04.10.09
Ich stelle gerade mit Schrecken fest, dass meine Laptop-Tastatur von kleinen Ameisen bevölkert ist, ansonsten gehts mir aber sehr gut, da ich soeben von einem erfolgreichen Trip zurückgekehrt bin.
Früh am Samstag machte ich mich zusammen mit dem Griechen, Greg, auf den Weg. An diesem Tag sollten wir in neun verschiedenen Trotros und zwei Taxis sitzen. Der erste Programmpunkt war der Kakum Nationalpark mit seinen Hängebrücken. Es war einfach perfekt, endlich mal Ecotourism, so wie ich mir das vorstelle. Es gab eine Austellung über den Regenwald und Biodiversität und wir hatten ein sehr professionellen Guide ganz für uns alleine. Der Weg über die Brücken, die zwischen riesigen Bäumen über den Regenwald gespannt waren, war wirklich klasse. Es hat ganz schön geschaukelt, aber ich habe keine Höhenangst. Für mich wars die beeindruckenste Sehenswürdigkeit in Ghana.
Das Cape Coast Castle, die Sklavenburg war dagegen eher Touristen-Pflichtprogramm und ich war froh als wir endlich aufgebrochen sind zum Strand. Eigentlich wollten wir vor Einbruch der Dunkelheit dort sein, doch der Butre Beach liegt sehr abgeschieden und so fuhren wir in der Dämmerung mit dem Taxi auf einer Straße, die man nicht einmal mehr als Weg bezeichnen kann. Doch der traumhafte Strand rechtfertigte den beschwerlichen Weg. Unglücklich war nur, dass wir in einem eher ungepflegten Guest House übernachteten, denn genau über diesen Strand hatte ich schon in Deutschland gelesen, dass dort eine ganz tolle, saubere Unterkunft zu finden sei. Doch wir hatten keine Wahl, da sich dort schon andere IAESTE-Praktikanten eingefunden hatten, die wir treffen wollten. Ich musste also zunächst ohne Toilettenpapier auskommen und geschlafen habe ich in Jeans und langärmligen Shirt, zum einen gegen die Moskitos, zum anderen, weil die Matratze so eklig war.
Das Essen war dafür prima (auch wenn ich noch unter dem Durchfall leide, den ich mir beim letzten Trip eingefangen habe). Ich habe Pizza mit Ananas, Nüssen, Bananen und Curry gegessen… super lecker! Es ist echt schade, dass ich das ghanaische Essen zuletzt so wenig genießen konnte. Ich würde gerne alles ausprobieren und viel essen, aber die Magenprobleme verhindern das.
Am nächsten Morgen sind wir über einen kleinen Berg zum Busua Beach gewandert, der den Eindruck vermittelt, dass Ghana das neue Thailand sein könnte. Einige, wenige Touristen waren dort, die meisten Surfer, ansonsten nur der idyllische Strand und ein kleines, nahegelegenes Fischerdorf.
Die Rückfahrt war, wie die Hinfahrt, ganz ok, nur ein Schreck blieb nicht aus, als wir kurz vor dem Ziel an zwei Fahrzeugen vorbeifuhren, die kurz zuvor einen frontalen Zusammenstoß gehabt haben müssen. Das eine, ein Taxi, war auf eine Länge von etwa 1,5 m zusammengequetscht. Mir ist es ein Rätsel wir der Fahrer es geschafft hat aus dem Auto herauszukommen.
Übrigens löst diese Ghana-Reise, auch wenn ich früher zurückkomme als ursprünglich geplant, in mir den Wunsch aus noch viel mehr von der Welt zu sehen. Ich denke, ich werde viele Dinge ganz anders wahrnehmen als vorher. Ich muss z.B. ständig an Las Vegas denken und hab komischerweise das Bedürfnis diese Stadt doch nochmal zu besuchen. Auch in Deutschland würde ich gerne solche Wochenendtrips wie hier machen, gleich am ersten Wochenende, wenn ich zurück bin, findet der Bundeskongress der Grünen Jugend in Weimar statt. Ich bin gespannt, ob ich den Schlafplatz in der Turnhalle als Luxus empfinden werde…


Diarrhoea
2. Oktober 2009Donnerstag, 1.10.09
Diese Woche wechseln sich gute und schlechte Tage ab. Am Dienstag nach der Arbeit war die Heimfahrt ein richtiger Genuss. Ich musste kaum auf die Trotros warten, sie haben immer genau an der richtigen Stelle gehalten, sodass ich beim Umsteigen keinen Trouble hatte und die Straßen waren nicht, wie sonst üblich, verstopft.
Da ich so früh in Lapaz angekommen war, nutzte ich die Gelegenheit um einige Dinge auf dem Markt dort zu besorgen. So habe ich eine DVD mit den Oceans und weiteren Filmen für einen Euro erstanden, außerdem Cola und Chips, weil ich mir auf dem letzten Trip leider Durchfall eingefangen hatte und ein Handtuch für meine Füße, denn die sind immer so dreckig, dass ich mein Duschhandtuch nicht zum Abtrocknen der Füße verwenden mag.
Abends habe ich dann den ersten Film der DVD gesehen, ausgiebig geduscht und geschlafen. Auch am nächsten Tag wars ähnlich. Der Durchfall war dank Perenterol fast verschwunden, allerdings habe ich an beiden Tagen auch kaum was gegessen, nur ein paar Bananen. Am Mittwochabend gabs dann auch wieder ein bisschen Reis, ich hab mich etwas einsam gefühlt, aber es war ok. Dann folgte eine unangenehme Nacht. Ich musste dreimal mit meiner Taschenlampe zum Klo, weil ich (relativ leichte) Bauchkrämpfe hatte und dass obwohl ich vorher wirklich unglaublich wenig gessen hatte.
Heute Morgen habe ich wieder komplett auf Nahrung verzichtet und auch auf meine Malariaprophylaxe (Doxycyclin, Antibiotikum). Die Fahrt zur Arbeit war schrecklich, schon nach fünf Minuten war ich dreckig und verschwitzt, in Lapaz musste ich fast 30 Min auf mein Trotro warten während ein Prediger ausgerechnet an meinem Standort seinen Verstärker mit Mikrofon aufgebaut hatte und mit viel Pathos die Menschen auf der Straße anschrie.
Hier auf der Arbeit funktioniert das Internet seit gestern überhaupt nicht mehr, ich schreibe offline und finde hoffentlich noch eine Möglichkeit ins Internet zu kommen.
Samstag solls losgehen auf den nächsten Trip. Geplant ist diesmal Cape Coast, wo wir das Castle besichtigen wollen, das einst einer der größten Sklavenumschlagsplätze war. Außerdem wollen wir den nahegelegenen Kakum Nationalpark besuchen, wo Hängebrücken durch den Urwald führen. Für den Sonntag ist dann Busua Beach geplant, der noch weiter im Westen liegt. Insgesamt ziemlich viel Fahrerei für zwei Tage und leider werden wir wohl mit dem Trotro statt Bus unterwegs sein.
Vorher möchte ich heute zu einem deutschen Arzt gehen, bei Malaria würde ich einfach in ein ghanaisches Krankenhaus gehen, aber Durchfall kann ja alles und nichts sein… Laut Reiseführer könne die deutsche Botschaft über deutsche Ärzte Auskunft geben, schade nur, dass die angegebene Nummer nicht stimmt.
…
Mittlerweile bin ich zurück von meiner Ärzte-Odysse. Da ich die Botschaft auch mit den von David herausgesuchten Nummern nicht erreichen konnte, bin ich schließlich selbst hingefahren, denn dort sollte es auch einen Arzt geben. Ich wurde sogar von einem Fahrer der Firma hingebracht, sehr bequem. Der Arzt war jedoch nicht da, aber eine Sekretärin hat mir die Adresse einer deutschsprachigen ghanaischen Ärztin gegeben. Ich bin mit einem Taxi dorthin gefahren um zu erfahren, dass auch diese Ärztin mindestens eine Woche lang nicht da ist. In der „Philip´s Clinic“ war dafür eine andere Ärztin anwesend. Ich hab etwa zwei Stunden gewartet und wurde zwischendurch in einer Ecke im Wartezimmer durchgecheckt, d.h. Fieber und Blutdruck messen und auf die Waage steigen.
Der Besuch bei der Ärztin kam mir sinnlos vor. Ich soll morgen nochmal wiederkommen und eine Stuhlprobe mitbringen, sie hat aber schon angekündigt, dass sie mir ein Antibiotikum verschreiben wird. Der Hinweis, dass ich schon Antibiotikum als Malariaprophylaxe nehme, hat auch nichts geändert. Sie wusste nicht, dass man Doxycyclin als Malariaprophylaxe verwenden kann. Mir bleibt im Grunde nichts anderes übrig als zu hoffen, dass es doch noch von alleine verschwindet.
Trip
29. September 2009Montag, 28.09.09
Ich bin zurück in Accra von meinem zweiten Trip durch Ghana. Ich hatte einige schöne und einige schreckliche Erlebnisse und sehne mich trotz des Wahlergebnis nach meinem zu Hause-zu Hause.
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag gings los mit dem Bus von Accra nach Kumasi, die Zweitgrößte Stadt Ghanas. Wie üblich fuhr der Bus erst los, als auch der letzte Platz besetzt war. Ich liebe Pläne, vielleicht hätte ich vorher auf die Idee kommen können, dass ein Land, in dem es nicht einmal Stadtpläne (geschweige denn Zeitpläne) gibt , nicht unbedingt das Richtige für mich ist…
Während der Busfahrt, die von etwa 23 Uhr bis 4 Uhr gedauert hat, wurden in ohrennbetäubender Lautstärke nigerianische Filme gezeigt, die meistens darin bestehen, dass sich bis zu 30 Leute gegenseitig anschreien. Das einizige Wort, das ich verstanden habe war: „Jesus Christ“. Auf der Rückfahrt war es genauso oder sogar noch schlimmer, denn zwischendurch ist ein Passagier aufgestanden und hat über eine Stunde gepredigt. Predigen bedeutet hier: Er hat alle anderen angeschrien. Angeblich gibt es für einen Ghana Cedi mehr (etwa 50 Cent) einen sogenannten VIP-Bus, der einen Sitz weniger pro Reihe hat und in dem keine Filme gezeigt werden… Aber sowas machen wir ja nicht, das wär ja viiieel zu touristisch.
In Kumasi sollte es um 5 Uhr morgens weitergehen, doch es vergingen mehrere Stunden bevor das IAESTE-Kommitee einen Fahrer organisiert hatte. Der fuhr dann allerdings für ghanaische Verhältnisse richtig gut (in Deutschland hätte es dennoch Punkte gegeben).
Erster Stop war ein Affenschutzgebiet. Wir sind dort durch den Wald gelaufen und haben die Affen mit Bananen gefüttert. Das war mein persönliches Highlight des Trips.
Als nächstes wurde wieder einmal ein Wasserfall besichtigt, in dem die meisten auch rumgeplantscht haben. Ich geh zwar auch gern ins Wasser, hab mich in diesem Fall aber zurückgehalten, weil ich mir nicht sicher war, ob es sicher war.
Es begann dunkel zu werden und wir mussten nur noch 50 km bis zum Hostel zurücklegen. Der Zustand der Straße war jedoch so grauenvoll, dass wir dafür drei Stunden gebraucht haben. In dem Hostel gab es zum Teil (in meinem Raum) kein fließendes Wasser, kein Essen und leider auch kein Trinkwasser. Mein größtes Bedürfnis, das nach Schlaf, konnte ich jedoch einigermaßen befriedigen. Ich bin erstaunt, dass ich mit so wenig Schlaf (etwa fünf Stunden pro Nacht) auskomme.
Am nächsten Morgen gings weiter zum Mole National Park, auf den ich mich eigentlich am meisten gefreut hatte, weil ich die Bilder der unglaublichen, wunderbaren, tierreichen Nationalparks Namibias im Kopf hatte. Letztendlich wurde es neben des besagten Hostels der enttäuschenste Teil der Reise.
Wir haben nur einen Elefanten, der in einem Village (wo doch eigentlich keins sein sollte) herumlief, zwei Antilopen und einige Affen (auch im Dorf) gesehen. Da es durch die Regenzeit noch immer sehr feucht ist, sind die Tiere nicht auf die Wasserstellen angewiesen und deswegen schwer beobachtbar. Dennoch sind wir fast zwei Stunden zu Fuß durch den Park gelatscht, teilweise durch so sumpfige Gebiete, dass meine Schuhe komplett durchnässt wurden. Im möchte nicht wissen, welche Insekten und Würmer es sich unter meiner Haut bequem gemacht haben. Irgendwann bat ich den Guide doch bitte auf die ganz feuchten Wege zu verzichten. Er sagte „Jaja“ und lief weiter. Wo ist eigentlich die angebliche Freundlichkeit der Ghanaer? Die meisten, die ich bisher kennengelernt habe, wollen entweder Geld haben oder mich anfassen. Als ich am Donnerstagnachmittag durch Accra gelaufen bin, haben mich bestimmt 20 Leute angetatscht und sogar die Gastfamilie nimmt Geld von mir, was nicht mit den offiziellen Angaben der Organisation übereinstimmt.
Zu Allem Überfluss ging dann, als wir den Weg durch den Park überstanden hatten, auch noch mein Flipflop kaputt, sodass ich dann zwei unbenutzbare Paar Schuhe hatte. Glücklicherweise konnte ich einer Ghanaerin, die mir eigentlich Kokosnüsse verkaufen wollte, ihre Schuhe abkaufen. Sie hat mir versichert, dass ihr Freund mit seinem Motorrad schnell ins Dorf fahren könnte um ihr neue zu besorgen… und das sicher für den halben Preis, den ich für ihre bezahlt habe.
Die zweite Nacht verbrachten wir in Tamale, was mir eigentlich ganz gut gefallen hat. In Accra habe ich noch immer keine Übersicht und die Wege sind mir zu weit, ich bedaure es nicht in einer kleineren Stadt zu sein. Abends sind wir tanzen gegangen und am Sonntagmorgen ging es um 4:30 Uhr weiter nach Paga an die Grenze zu Burkina Faso. Dort in der Nähe gibt es auch einen See, Feuchtgebiet, wo man Krokodile anschauen kann. Es waren ungfähr hundert Leute da. Wer wollte, konnte ein lebendiges Huhn kaufen, mit dem die Guides die Krokodile angelockt haben, die man dann am Schwanz packen konnte um ein Foto von sich mit Krokodil schießen zu lassen. Nach der Foto-Session wurde dann dem Krokodil das Huhn hingeworfen. Das ganze nennt sich Ecotourism und ich fand es einfach nur pervers. Schließlich gings den ganzen weiten Weg zurück nach Kumasi und heute zurück nach Accra.


Update
24. September 2009Heute Abend (Donnerstag) geht die nächste große Tour los. Vom IAESTE-Kommitee organisiert, bzw. vorgeschlagen (von Organisation kann ich nun wirklich nicht mehr reden), fahren wir zunächst mit vier Leuten von Accra nach Kumasi, wo wir auf andere PraktikantInnen treffen. Weiter gehts durch den Mole-Park in den äußersten Norden von Ghana und am Montag wieder zurück nach Accra.
Ich freu mich einerseits auf den Trip, habe aber auch ein bisschen Angst und werde sicher einige beinahe-Tode sterben. Zwischendurch habe ich vermutlich wieder kein Handy-Netz. Es wird mit Sicherheit extrem chaotisch und ich weiß noch gar nicht, wie ich es überhaupt schaffen soll. Wenn ich um 16 Uhr von der Arbeit nach Hause fahre, dort dusche, esse und packe und dann wieder zum Treffpunkt zurück fahre, wird es schon sehr spät sein und es gibt noch keine genauen Angaben. Dazu kommt, dass ich ohnehin total übernächtigt bin, denn ich kann hier schon in normalen Nächten nicht mehr als 5 Stunden schlafen. Abends ist der Fernseher so laut und die Leute im Haus schreien rum, aber ich kann trotzdem einigermaßen gut einschlafen. Allerdings wache ich morgens meistens vor Sonnenaufgang auf und kann nicht mehr schlafen. Oft werde ich um 4:30 von schreienden Priestern (oder aus der Moschee) geweckt. Diese Nacht hab ich tatsächlich nur drei Stunden geschlafen, weil wir gestern bei einer Reagge Night am Beach waren. Die Atmosphäre war ganz ok, aber ich bin halt nicht so der Party-Typ… Kommende Nacht dann im Bus… Es ist schon erstaunlich, was man alles aushalten kann.
Am Samstag, 10. Oktober, fliege ich zurück nach Deutschland. Der Sonntag, wenn ich wieder zurück bin, wird bestimmt einer der schönsten Tage meines Lebens oder noch besser der Montag, wenn ich in einem trockenen Bett (meins hier ist immer klamm) einfach nur in Ruhe liegen kann.
Die Arbeit ist bisher nicht besser geworden. Gestern war ein Tag, an dem ich wirklich nichts anderes gemacht habe als im Internet zu surfen und das von 8 bis 16 Uhr (eigentlich 17, aber ich gehe lieber etwas früher, weil ich sonst erst im Dunkeln zu Hause bin). Ich habe nach wie vor keine Person, die für mich zuständig ist. Manchmal frage ich die Kollegen, die eigentlich ganz nett sind, aber viel kommt dabei nicht rum. Die Arbeitseinstellung ist hier ganz anders. Manchmal sitzen vier Leute vor einem Computer und unterhalten sich einfach nur stundenlang. Wenn ich hier nicht arbeite, wird das also nur sehr bedingt als etwas Sonderbares empfunden.
Volta Region
22. September 2009An diesem verlängerten Wochenende habe ich mich mit drei anderen Deutschen auf meinen ersten Trip durch Ghana gewagt. Wir sind per Trotro durch die regenreiche Volta Region gefahren.
Am ersten Abend gab es an dem Ort, wo wir übernachten wollten (in der Nähe von Hohoe) keine freien Zimmer mehr. Wir mussten in einem Zelt im Garten einer Lodge schlafen. Obwohl es stark geregnet hat, waren wir damit ganz zufrieden. Das Zelt war super und auf der Toiletten gab es (im Gegensatz zu der bei meiner Gastfamilie) sogar Licht und eine funktionierende Spülung.
Am zweiten Tag musste ich allerdings mehrmals um mein Leben fürchten. Das erste mal als wir den höchsten Berg Ghanas erklommen haben bzw. vor Allem als es wieder nach unten ging. Die Steigung war sehr groß und wir hatten für den unsicheren Trampelpfad keinerlei Ausrüstung. Beim Abstieg fing es an zu regnen und der lehmige Boden wurde so rutschig, dass ich wirklich Angst hatte. Es folgte eine halsbrecherische Trotrofahrt mit einem Fahrer, der vermutlich keinen Führerschein besaß und eventuell betrunken war. Ich habe mich an dem Vordersitz festgekrallt und als wir bei einer Kreuzung nur haarscharf, durch das Herumreißen des Lenkrads, einem Crash, bei dem es wohl mindestens Schwerverletzte gegeben hätte, entkommen sind, habe ich mich gefragt wie es wohl sein wird, wenn mir tatsächlich mal was passiert. Würde jemand meine Familie informieren?
Die wunderschöne Seite von Afrika habe ich an diesem Wochenende aber auch gesehen. Wir sind ein kurzes Stück durch den Regenwald gelaufen um die Wli Waterfalls zu bewundern. Auf dem Rückweg haben wir außerdem einen Zwischenstop in Akosombo eingelegt um den Staudamm zu besichtigen, durch den ganz Ghana mit Strom versorgt wird. Der dazugehörige Volta Stausee ist der größte künstlich angelegte See der Welt.

Bruecke im Regenwald
Ich auf dem Damm.

Come to Ghana… und entdecke den Spiesser in dir
17. September 2009Mittwoch, 16.09.09
Es ist noch gar nicht lange her, da schrieb ich über die spießigen Lebensträume meiner Kommilitonen. Nun sitze ich hier in Ghana, esse eine Riesenportion Reis mit scharfer Soße und sehne mich nach meinem Schatz, der schönen Wohnung, dem gemütlichen Sofa, dem noch gemütlicheren Bett, der Mensa, dem Mensa-Spieleabend, dem Pokerabend und vor allem Ruhe. Nach einem spießigen, deutschen Haushalt.
Ghana ist nicht so wie ich es mir vorgestellt habe, einmal mehr werde ich darin bestätigt, dass Afrika nicht gleich Afrika ist. In Namibia war es ganz anders, der Einfluss der Kolonialzeit ist dort sehr stark zu spüren, während Ghana einfach nur Ghana ist. Der größte Unterschied im täglichen Leben ist es wohl, dass man als weißer Mensch jede Sekunde des Tages auffällt. Jeder Taxifahrer wird langsamer und hubt, alle Leute, die auf der Straße was verkaufen (und das sind unglaublich viele) zischen mir zu und natürlich hör ich immer „Obruni, Obruni“. Das Land macht mir teilweise Angst, ich steh ständig unter Stress, auch wenn ich im Bett liege. Andauernd kommen Leute in „mein“ Zimmer, auch wenn ich „schlafe“.
Es ist aber nicht alles so furchtbar, wie man nach dem Lesen meiner Blogeinträge meinen könnte. Ich brauch ein Ventil um das loszuwerden, was ich hier niemandem erzählen kann.
Das Essen z.B. ist ganz gut. Fast jeden Tag gibt es Reis mit einer meist scharfen Soße, aber ich ich hab in dieser ersten Woche nicht ein Gericht zweimal gegessen. Ich hab auch schon Fufu gegessen, für mich eine Art Kartoffelbrei, den man mit den Händen isst. Das Fleisch ist zum Teil eklig, weil wirklich alles vom Tier verwendet wird, aber ich hab erzählt, dass ich normalerweise gar kein Fleisch und Fisch esse (gar nicht so einfach Ghanaern die Gründe dafür zu erklären) und lass es jetzt manchmal liegen.
Ich mag auch das Wetter hier, das ist zur Abwechselung tatsächlich so wie erwartet. Es hat zwar noch nicht geregnet seit ich hier bin, die Regenzeit ist bald vorbei, aber es ist oft bedeckt, am Strand habe ich trotzdem leichten Sonnenbrand bekommen. Ich mag es mich draußen auf dem Hof zu waschen und mir die Zähne zu putzen morgens um sechs und ich mag die Ziegen, die durch die Straßen laufen und dabei so unerschütterlich aussehen. Aber dieser Dauerstress macht mich fertig, ich glaube nicht, dass ich das drei Monate durchhalten kann.
Einige haben mir geraten viel Taxi zu fahren um mobil zu sein, aber Taxifahren ist fast das Schlimmste. Die meisten Fahrer sind unfreundlich und unheimlich, weil sie ständig mehr Geld haben wollen. Sie verlangen penetrant danach auch wenn der Preis vor der Fahrt abgesprochen wurde. Ich nutze lieber Trotros, bei denen der Preis feststeht und die festgelegte Routen fahren. Trotos sind mit Menschen vollgestopfte Kleinbusse (oft ausrangierte aus Deutschland mit Aufschriften wie „Haralds Baufirma“), die den öffentlichen Verkehr in Ghana regeln. Allerdings ist auch das Trotro fahren nervenraubend. Wenn man sich nicht auskennt, ist es schwierig das richtige zu finden, oft muss man warten bis wirklich niemand mehr reinpasst bevor es losgeht und der Verkehr ist katastrophal. Ich saß auch einmal im falschen Trotro und fühlte mich furchtbar verloren und hilflos.
Jetzt sitze ich mich meinem Gastbruder und anderer wechselnder Besetzung vor dem Fernseher und gucke Fußball, Inter Mailand – Barcelona. Der Empfang ist schlecht, aber es ist mit Abstand das beste Programm, das es hier gibt.

Muell ueberall

Ein kleiner Teil des Traumstrandes
An die Arbeit…
15. September 2009Ich hab jetzt eine Handynummer: 0203946774, die Vorwahl fuer Ghana ist 00233. Ich kann auch nach Deutschland telefonieren. Fuer 10 Minuten zahle ich etwa einen Euro. Heute ist mein zweiter Arbeitstag, ueber den ersten habe ich gestern schon kurz was in den Comments zum letzten Eintrag geschrieben. Jetzt sitze ich wieder hier und warte.
Niemand ist fuer mich zustaendig uns angeblich gibt es auch keine Unterlagen (Lebenslauf usw.) von mir, obwohl ich alles in dreifacher Asufuehrung versendet hab. Ich halte es aber durchaus fuer moeglich, dass alles beim ghanaischen IAESTE-Kommitee haengen geblieben ist.
Am Sonntag war ich mit einigen anderen Deutschen am Fetteh Strand, westlich von Accra. Wir mussten lange fahren, aber es war dafuer auch paradiesisch schoen. Die Wellen waren an dem sehr flachen Sandstrand extrem hoch, an Schwimmen war nicht zu denken. Ich hab ganz viele Fotos davon, aber ich komme nicht mehr ins Internetcafe, weil die Arbeit mit Fahrtzeit den gesamten hellen Tag wegnimmt, so muss ich das grauenvolle Internet hier nutzen.
Obruni-Party
12. September 2009Gestern Abend war ich mit einigen anderen Deutschen auf einer Obruni-Party im Obruni-Viertel Accras (Obrunis sind die Weißen). Ich lebe in einem Vorort, nördlich von Accra. Die Fahrt in die Stadt dauert etwa eine Stunde. Zunächst sind Andreas und ich mit einem Sammeltaxi zu einem Treffpunkt gefahren, wo wir auf Tillmann und Matthias, zwei Deutsche, die mit Linda bei Kofui wohnen, gestoßen sind. Gemeinsam gings dann weiter nach Osu (das besagte Viertel in Accra) zur Party. Die Party war nicht so toll, aber natürlich trotzdem ganz interessant und aufschlussreich. Es waren fast nur Weiße da, ich habe mich mit einigen Deutschen, mit einer Mexikanerin, mit einem Holländer und mehreren Indern unterhalten. Alle saßen nur rum und haben getrunken. Die Gespräche verliefen immer ungefähr so: „Seit wann bist du da, wie lange bleibst du, was arbeitest du, mir wurde schon das und das geklaut, ich hatte schon Malaria und Typhus, see You“.
Einerseits bewundere ich die, die schon länger da sind für ihre Abgeklärtheit z.B. im Umgang mit Taxifahrern, ich werde es bestimmt nie schaffen einen normalen Preis auszuhandeln. Auch in Sachen Orientierung habe ich keine Ahnung wie ich das jemals hinkriegen soll. Mir ist es ein Rätsel, wie die es in so kurzer Zeit geschafft sich so gut zurechtzufinden, dass sie dem Taxifahrer Anweisungen geben können. Auf dem Rückweg mussten Andreas und ich ein längeres Stück laufen und als wir angekommen sind, hat Andreas gesagt, er hoffe ich habe mir den Weg gemerkt. Natürlich konnte ich mir den Weg, nachts, im Dunkeln, durch einige rotsandige Straßen, die für mich alle gleich aussehen und natürlich keine Straßenschilder haben, nicht merken.
Andererseits scheint in dieser Abgeklärtheit auch ein bisschen Resignation mitzuschwingen. Immer wird nur über Raub, Diebstahl, Krankheiten oder Partys geredet. Nichts hier scheint schön zu sein. Es ist sicher die natürliche Reaktion die Zähne zusammenzubeißen, sich so gut wie möglich anzupassen und nicht an zu Hause zu denken. Aber wieso macht man so einen Scheiß eigentlich freiwillig?

Das Haus, in dem ich wohne. Die schöne Fassade ist leider nur… eine Fassade.

Who can find the Lizard-King?
Meine Gastschwester Nadja zeigt mir, wie man wäscht.




