Trip

Montag, 28.09.09

Ich bin zurück in Accra von meinem zweiten Trip durch Ghana. Ich hatte einige schöne und einige schreckliche Erlebnisse und sehne mich trotz des Wahlergebnis nach meinem zu Hause-zu Hause.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag gings los mit dem Bus von Accra nach Kumasi, die Zweitgrößte Stadt Ghanas. Wie üblich fuhr der Bus erst los, als auch der letzte Platz besetzt war. Ich liebe Pläne, vielleicht hätte ich vorher auf die Idee kommen können, dass ein Land, in dem es nicht einmal Stadtpläne (geschweige denn Zeitpläne) gibt , nicht unbedingt das Richtige für mich ist…

Während der Busfahrt, die von etwa 23 Uhr bis 4 Uhr gedauert hat, wurden in ohrennbetäubender Lautstärke nigerianische Filme gezeigt, die meistens darin bestehen, dass sich bis zu 30 Leute gegenseitig anschreien. Das einizige Wort, das ich verstanden habe war: „Jesus Christ“. Auf der Rückfahrt war es genauso oder sogar noch schlimmer, denn zwischendurch ist ein Passagier aufgestanden und hat über eine Stunde gepredigt. Predigen bedeutet hier: Er hat alle anderen angeschrien. Angeblich gibt es für einen Ghana Cedi mehr (etwa 50 Cent) einen sogenannten VIP-Bus, der einen Sitz weniger pro Reihe hat und in dem keine Filme gezeigt werden… Aber sowas machen wir ja nicht, das wär ja viiieel zu touristisch.

In Kumasi sollte es um 5 Uhr morgens weitergehen, doch es vergingen mehrere Stunden bevor das IAESTE-Kommitee einen Fahrer organisiert hatte. Der fuhr dann allerdings für ghanaische Verhältnisse richtig gut (in Deutschland hätte es dennoch Punkte gegeben).

Erster Stop war ein Affenschutzgebiet. Wir sind dort durch den Wald gelaufen und haben die Affen mit Bananen gefüttert. Das war mein persönliches Highlight des Trips.

Als nächstes wurde wieder einmal ein Wasserfall besichtigt, in dem die meisten auch rumgeplantscht haben. Ich geh zwar auch gern ins Wasser, hab mich in diesem Fall aber zurückgehalten, weil ich mir nicht sicher war, ob es sicher war.

Es begann dunkel zu werden und wir mussten nur noch 50 km bis zum Hostel zurücklegen. Der Zustand der Straße war jedoch so grauenvoll, dass wir dafür drei Stunden gebraucht haben. In dem Hostel gab es zum Teil (in meinem Raum) kein fließendes Wasser, kein Essen und leider auch kein Trinkwasser. Mein größtes Bedürfnis, das nach Schlaf, konnte ich jedoch einigermaßen befriedigen. Ich bin erstaunt, dass ich mit so wenig Schlaf (etwa fünf Stunden pro Nacht) auskomme.

Am nächsten Morgen gings weiter zum Mole National Park, auf den ich mich eigentlich am meisten gefreut hatte, weil ich die Bilder der unglaublichen, wunderbaren, tierreichen Nationalparks Namibias im Kopf hatte. Letztendlich wurde es neben des besagten Hostels der enttäuschenste Teil der Reise.

Wir haben nur einen Elefanten, der in einem Village (wo doch eigentlich keins sein sollte) herumlief, zwei Antilopen und einige Affen (auch im Dorf) gesehen. Da es durch die Regenzeit noch immer sehr feucht ist, sind die Tiere nicht auf die Wasserstellen angewiesen und deswegen schwer beobachtbar. Dennoch sind wir fast zwei Stunden zu Fuß durch den Park gelatscht, teilweise durch so sumpfige Gebiete, dass meine Schuhe komplett durchnässt wurden. Im möchte nicht wissen, welche Insekten und Würmer es sich unter meiner Haut bequem gemacht haben. Irgendwann bat ich den Guide doch bitte auf die ganz feuchten Wege zu verzichten. Er sagte „Jaja“ und lief weiter. Wo ist eigentlich die angebliche Freundlichkeit der Ghanaer? Die meisten, die ich bisher kennengelernt habe, wollen entweder Geld haben oder mich anfassen. Als ich am Donnerstagnachmittag durch Accra gelaufen bin, haben mich bestimmt 20 Leute angetatscht und sogar die Gastfamilie nimmt Geld von mir, was nicht mit den offiziellen Angaben der Organisation übereinstimmt.

Zu Allem Überfluss ging dann, als wir den Weg durch den Park überstanden hatten, auch noch mein Flipflop kaputt, sodass ich dann zwei unbenutzbare Paar Schuhe hatte. Glücklicherweise konnte ich einer Ghanaerin, die mir eigentlich Kokosnüsse verkaufen wollte, ihre Schuhe abkaufen. Sie hat mir versichert, dass ihr Freund mit seinem Motorrad schnell ins Dorf fahren könnte um ihr neue zu besorgen… und das sicher für den halben Preis, den ich für ihre bezahlt habe.

Die zweite Nacht verbrachten wir in Tamale, was mir eigentlich ganz gut gefallen hat. In Accra habe ich noch immer keine Übersicht und die Wege sind mir zu weit, ich bedaure es nicht in einer kleineren Stadt zu sein. Abends sind wir tanzen gegangen und am Sonntagmorgen ging es um 4:30 Uhr weiter nach Paga an die Grenze zu Burkina Faso. Dort in der Nähe gibt es auch einen See, Feuchtgebiet, wo man Krokodile anschauen kann. Es waren ungfähr hundert Leute da. Wer wollte, konnte ein lebendiges Huhn kaufen, mit dem die Guides die Krokodile angelockt haben, die man dann am Schwanz packen konnte um ein Foto von sich mit Krokodil schießen zu lassen. Nach der Foto-Session wurde dann dem Krokodil das Huhn hingeworfen. Das ganze nennt sich Ecotourism und ich fand es einfach nur pervers. Schließlich gings den ganzen weiten Weg zurück nach Kumasi und heute zurück nach Accra.

Monkey

Kroko

Tags: ,

4 Antworten zu „Trip“

  1. Barbara sagt:

    Ciao, Karo,
    auch wenn meine Kommentare irgendwie im ghanaischen oder www-Nirwana verschwinden, probiere ich es wieder: Micha und ich sind super-froh, dass du heil zurück bist vom Trip und dass du wenigstens ein Highlight hattest! Wir zählen schon die Tage bis zu deinem Rückflug und hoffen, dass du trotz des Wahlausgangs in “Good old Germany” und dem wunderschönen Norddeutschland dich richtig wohl fühlen kannst!

    Liebe Grüße Deine Barbara

  2. Ulrike sagt:

    Hallo, liebe Karolina,
    wieder ein spannender Bericht. Mir scheint, du lernst dich gerade von deiner zweiten oder dritten Seite kennen. Nicht schlecht, wenn doch nur der Preis nicht so hoch wäre…Sollte man wirklich solche Risiken eingehen?
    Bleib gesund und bleib aufmerksam.
    Liebe Grüße von Ulrike

  3. Christoph sagt:

    Für mich klingt es so, als ob ich es nicht unbedingt erlebt haben möchte. Zumindest die Hühnerfütterung nicht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s


Follow

Get every new post delivered to your Inbox.