Ich bin mit vier Ingenieuren auf der Baustelle, es ist offensichtlich, dass wir irgendwie wichtig sind. Die Bauarbeiter lassen sich jedoch nicht stoeren, sie liegen an allen moeglichen Plaetzen herum und schlafen. Spaeter im Buero reden wir ueber die Unterschiede zwischen Deutschland und Ghana, ich sage: “Bei uns ist es nicht erlaubt waehrend der Arbeitszeit zu schlafen”. Ein Kollege haelt dagegegen: “Aber wenn sie doch muede sind…”.
Wir sitzen im Buero, unterhalten uns, faulenzen, der normale Alltag. Doch ploetzlich herrscht Aufregung: “Schnell, schnell, gleich beginnt das Spiel zwischen Ghana und Suedafrika, u20-WM!” Alle Kollegen versammeln vor einem mini-Fernseher, der Empfang ist schlecht, doch alle sind gluecklich, denn Ghana gewinnt mit 2:1.
Ich sitze morgens im Trotro, wie immer schaukelt es sehr und ich huepfe auf meinem Platz hin und her obwohl ich zwischen meinen Sitznachbarn eingequetscht bin. Ein Tampon rutscht aus meiner Tasche, ein Mann hebt ihn auf und reicht ihn mir. Mir ist es etwas peinlich, ich lasse den Tampon schnell verschwinden und wundere mich, dass er dabei gar nicht gelacht hat, die Ghanaer sind doch sonst immer am kichern. Erst spaeter wird mir bewusst, dass er vermutlich gar nicht wusste wofuer dieses Ding verwendet wird.
Ich muss fast alle meine Socken wegwerfen, der ghanaische Dreck und vor Allem die Rubbel-Handwaesche haben sie uebel zugerichtet. Ich seufze, denn auf den Maerkten hier gibt es zwar alle moeglich Sachen wie z.B. Mentos, Raubkopien, Tachenlampen, geschaelte Orangen, lebendige Huehner, tote Fische, einzelne Schuhe und sogar Bulldozer, aber Socken habe ich wirklich noch nie gesehen. Am naechsten Tag sitze ich im Trotro, warte darauf, dass es sich endlich fuellt und losfaehrt. Auf einmal kommt eine Marktfrau am Trotro vorbei, auf dem Kopf traegt sie kiloweise Stoffttaschentuecher und … Socken!
Ich goenne mir ein ueppiges Fruehstueck am Strassenstand. Doppelt egg&bread und dazu ein Tee, wird ja alles schoen durchgebraten bzw. gekocht, also keine Gefahr. Das egg&bread ist super und der Tee dampft auch schon – doch halt – ohne dass ich was sagen kann, will die Verkaeuferin besonders freundlich sein und kippt kaltes Wasser (das sie aus einem offenen Plastikeimer schoepft) in den Tee, damit er nicht so heiss ist. Leider schmeckt er dann nach Fisch, ich muss ihn stehen lassen.
Damit geht mein Ghana-Abenteuer und auch dieser Blog zu Ende. Ich danke euch allen fuer die vielen Kommentare und Telefonate, ohne die haette ich mich hier noch einsamer gefuehlt.
Tags: Arbeitsmoral, Trotro, U20-WM
9. Oktober 2009 um 06:42 |
Hallo, liebe Karolina,
einen schönen letzten Tag wünsche ich dir und morgen eine angenehme Fahrt zum Flughafen und natürlich einen guten Flug und eine pünktliche Ankunft.
Pass auf dich auf, hier ist es kalt und nass! Nicht gleich richtig erkälten.
Wir freuen uns auf dich und deine Geschichten.
Liebe Grüße von Ulrike